JULE WÜRFEL
lebt und arbeitet in Wien und Leipzig
*1995 Grimma, Sachsen
Ich arbeite mit Fotografien, Video und performativen Situationen.
Meine Arbeiten entstehen dort, wo Kontrolle kippt, Scham sichtbar wird und Körper zu Zeugen von Herkunft und Befreiung werden. Mich interessiert der Moment, in dem etwas ins Wanken gerät, sei es ein Bild, ein Körper, ein System. Ich suche das Glühen zwischen Ordnung und Exzess.
In meiner Videoinstallation "Aufbruch: Hinter den Fassaden" (2024) untersuche ich die letzten fünf Jahre vor 1989 anhand der DDR-Künstlerin Harriet Wollert. Sie erlebte in der DDR Gewalt und Repressalien und war zugleich Mitbegründerin der wichtigsten Künstlerinnengruppe der DDR. Eine Zeit, in der Anpassung, Rebellion und Trauma ineinander übergingen.
In "LOST MY PHONE. FELT FREE. MIGHT DELETE LATER." (2020 / remastered 2025) zeige ich weibliche Halbakte, wie sie nach den Spielregeln der sozialen Netzwerke entstehen. Durch das Wegstempeln der Brustwarzen werden die Körper zugleich verletzt und geschützt und werden zu Zeuginnen einer Welt, in der das Natürliche verhüllt und das Entmenschlichte normalisiert wird. Gravierte Glasscheiben rahmen die Fotografien wie durchsichtige Schutzschichten, auf denen persönliche Notizen als emotionaler Gegenbeweis sich in das Fleisch kratzen.